Am 28. März 1993 rief ich nachmittags einen guten Freund an, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren und hatte während des Telefongesprächs eine erste, schmerzhafte Wehe. Hab’ mich ganz schön erschrocken, aber dachte “Wenn das Wehen sind, kann man das doch gut aushalten!” Das stimmte, diese Wehen konnte man wirklich gut aushalten. Von Anfang an kamen sie in sehr kurzen Abständen, alle fünf Minuten, vielleicht weil ich auch schon mehrere Tage überfällig war und das Kind wirklich sehr groß. Gut, dass ich das zu dem Zeitpunkt nicht wusste! Und gut, dass ich nicht wusste, was mir im Kreißsaal bevorstand…
Abend wurden die Kontraktionen heftiger, waren aber immer noch gut erträglich. Um 23:30 Uhr schickte mich meine Mutter ins Bett, damit ich mich noch ein bißchen ausruhen konnte. Ich lag dann auch tatsächlich bis 01:00 Uhr im Bett, bis die Wehen so schmerzhaft wurden, dass ich sie nicht mehr liegend ertragen konnte. Also stand ich auf und setzte mich aufs Sofa… die ganze Zeit über trank ich Cola und rauchte. Ja, ich weiß, dass das nicht in Ordnung ist, aber ich war knappe 18 Jahre jung und jeder macht mal Fehler. Tut mir Leid!
Ich schrieb auch die Abstände zwischen den Wehen auf, es waren immer zwischen drei und fünf Minuten. Gegen 3:00 Uhr weckte ich zum ersten mal in dieser Nacht meine Mutter…langsam wurde mir mulmig und die Wehen taten ganz schön weh.
Während die Wehen langsam NOCH heftiger wurden (Inzwischen dachte ich bei jeder Steigerung “Also noch halte ich es aus, aber schlimmer darf es echt nicht mehr werden!” Was hatte ich schon für eine Ahnung, WIE schlimm es noch werden würde?), organisierte meine Mutter ein Taxi und ich wurde in die Klinik gebracht.
Aber die meiste Zeit über steckten wir im Berufsverkehr fest, jede Ampel schien rot zu sein und ich wurde eingequetscht ins Auto schier verrückt während der nun schon sehr schmerzhaften Wehen (”NOCH schlimmer darf es jetzt wirklich nicht mehr werden!!!”). So kamen wir erst um 08:00 Uhr an und ich musste auf dem Weg vom Parkplatz zur Entbindungsstation bestimmt zehn mal pausieren um die Wehen zu veratmen. Um 08:10 Uhr standen wir vor dem Kreißsaal und erhielten die Auskunft, dass alle Räume belegt seien und wir doch noch mal wieder nach hause sollten! Aaaaah! Nee, das ging wirklich nicht mehr! Wir warteten also und ich wurde schon ziemlich unangenehm und schimpfte herum…
Irgendwann liessen sie uns doch herein. Sofort bettelte ich, dass man mir etwas gegen die Schmerzen geben sollte, aber die Schwester lachte nur. „Sie müssen natürlich gebären! Schmerzmittel im Kreißsaal, wo gibt’s denn sowas?“ Ich wurde ans CTG gehängt und dann eine elend lange Weile ganz allein gelassen. Nicht mal meine Mutter war bei mir. Irgendwann ging die Tür auf und mehrere Ärzte, vielleicht Hebammen und einige Schwestern kamen herein. Chefarzt-Visite! Ich heulte inzwischen vor Schmerzen. Der Arzt untersuchte mich, indem er einfach seine Finger in mir reinsteckte, meinte “Muttermund bei 3 Zentimetern, das dauert noch bis heute Nacht!” und verschwand mitsamt seinem Troß wieder. Leider war die Untersuchung sehr grob und auch schmerzhaft und noch während der Letzte aus der Chefarztgefolgschaft die Tür schloß, platzte meine Fruchtblase. Die nächste Wehe kam, während ich wieder ganz alleine war und erschlug mich vollends mit ihrer Heftigkeit! Ich weiß nicht mehr, wie es genau war, aber ich rief laut nach meiner Mutter. An den Knopf für die Schwester kam ich nicht mehr, eine Wehe jagte die andere. Irgendwann tauchten meine Mutter und irgendeine Hebamme auf und schimpften, ich solle mich nicht so anstellen. Gebären täte nun einmal weh.
Im Nebenzimmer schrie eine andere Frau. „Ich halte es nicht mehr aus! Ich halte es nicht mehr aus!“ Durch die Wand hörte ich, wie auch sie von der Hebamme angeherrscht wurde, sie solle ruhig sein und nicht so ein Theater machen. „Wenn sie sich schon ein Kind machen lassen, dann müssen Sie auch die Geburtsschmerzen aushalten!“
Es folgte eine der schlimmsten Episoden der Geburt. Auf der Toilette konnte ich nicht mehr sitzen, es waren WIRKLICH keine Pausen zwischen den Wehen. Nun kamen auch noch Schmerzen wegen des Einlaufs hinzu und ich schrie, während ich meinen Darm entleerte und dabei die Wehen nicht mehr veratmen und auch nicht weg’bewegen’ konnte! Endlich war es vorbei und ich schleppte mich zitternd, naß und erschöpft auf eine kleine Pritsche in diesem ‘Badezimmer’. Heulend bat ich um ein Schmerzmittel, ich konnte die Schmerzen nicht mehr aushalten. Die Hebamme lachte laut. „Im Bett Spaß haben wollen, aber beim Gebären dann nach Schmerzmitteln betteln! Seit Millionen von Jahren kriegen Frauen Kinder, und nie waren Schmerzmittel nötig. Dass sich die modernen Frauen auch immer so anstellen müssen…“ So quälte ich mich weiter.
Jemand brachte mir gnädigerweise ein OP-Hemdchen, so dass ich wenigstens nicht mehr völlig nackt herumlag.
“Sie müssen jetzt zum Ultraschall!” befahl die Hebamme. Meine Mutter und die Hebamme schleiften mich mit nacktem Rücken und Hintern über den Flur zum Ultraschall-Raum. Die Männer anderer Frauen liefen mit Wasserflaschen und Obst über den Flur und haben sich beim Anblick meiner nackten Rückansicht sicher bestens amüsiert. Ich dagegen amüsierte mich darüber wenig, konnte mich aber nicht selbst bedecken. Es war entwürdigend. Ich blieb stehen, als mich die nächste Wehe erwischte, und konnte ein lautes Stöhnen nicht unterdrücken. „Ja, bald ist es bei Ihnen soweit, oder?“, sagte ein junger Mann mit Wasserflasche. „Gleich müssen auch Sie die Beine breit machen und pressen… Meine Frau brüllt da drin im Kreißsaal schon seit Stunden.“
„Nu mach ihr doch keine Angst“, sagte ein anderer junger Mann.
„Als ob sie nicht selbst weiß, wie weh es tut, wenn sie den Kopf gleich da unten rausdrücken muss.“ Mit dem Finger zeigte er anzüglich zwischen meine Beine. Unwillkürlich presste ich die Beine zusammen. „Angst?“ fragte der Typ grinsend.
Ich nickte nur.
„Keine Angst, bisher haben sie noch alle rausbekommen.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Die Geburtshelfer hier haben kräftige Arme. Und zur Not auch ein ganzes Sortiment verschiedener Saugglocken und Zangen.“
Die Wehe war endlich vorbei, und so schnell ich konnte ging ich weiter. Sollten die mir mit ihren Horrorstories doch gestohlen bleiben!
“Nun liegen sie mal gaaaanz still!” sagte dieser verdammte Arzt im Untersuchungsraum, während er mit dem Ultraschallkopf über meinen wehenverkrampften Bauch fuhr, drückte und mich hinschob, wie er wollte. Ich wand mich vor Schmerzen wie ein Aal und sagte immer nur “Ich kann nicht, ich kann nicht!…Aufhören bitte!” - “Nun LIEGEN SIE ABER ENDLICH STILL!” herrschte mich die Hebamme an. Ich heulte. Meine Mutter stand in der Ecke. Warum half sie mir nicht? Ich kam mir vergewaltigt vor. Langsam bekam ich Durst.
“Das Kind wiegt knapp 3500 Gramm, alles in Ordnung.” Toll, für diese Aussage hatten sie mich so lange gequält. Sie stimmte nicht mal, aber das wusste ich zum Glück noch nicht.
Plötzlich setzten die Preßwehen ein. Es war 10:45 Uhr. Alle Kreißsääle waren belegt. “NICHT PRESSEN!” schimpfte mich die Hebamme an! Ich wurde in ein kleines Behandlungszimmer mit gynäkologischem Stuhl gezerrt und auf eben diesen Stuhl gelegt. Auf dem Rücken hielt ich die Preßwehen nicht aus, also drehte ich mich auf dem Stuhl seitlich hin. Aber sofort wurde ich wieder auf den Rücken gerollt und jemand legte meine Beine in so metallene Fußstützen. Es tat weh, klemmte mir die Blutzufuhr ab, aber ich konnte nicht mehr verbal protestieren. “Durst!” jammerte ich…seit ich im Krankenhaus war, hatte ich noch keinen Schluck getrunken. Ich bekam einen Waschlappen, an dem ich saugen durfte…Und dann ließen sie mich wieder allein… warum? War ich zu jung? Wollte man mir eine Lektion erteilen? Ich weiß es nicht. Meine Beine wurde festgebunden mit Lederriemen. Der Arzt stocherte in mir herum. Ich bin echt nicht empfindlich, aber es war brutal. Weiter Preßwehen…”Atmen!” kommandierte die Hebamme. “NICHT PRESSEN!” brüllte der Arzt.
Ich hypervetilierte. Gegen die Preßwehen konnte ich mich nicht wehren, pressen durfte ich nicht, niemand sagte mir, wie das jetzt weitergeht und vor allem wie lange noch! Es war kurz vor Mittag, das sollte wirklich noch bis in die Nacht hinein dauern, wie der Arzt gesagt hatte? Am Liebsten wäre ich gestorben. Keinen Gedanken habe ich verschwendet an das arme Kind. Heute tut mir das so leid, aber ich kann mir verzeihen, denn es war WIRKLICH schrecklich. Immer mal hatte ich kurze Aussetzer, in denen ich das Bewußtsein verlor. Ich war dankbar dafür. Meine Mutter schrie mich an: “Nun reiß Dich aber mal zusammen, ist doch bald vorbei!”
Ich wußte nichts mehr. Nach einer unendlich langen Zeit, so gegen zwölf Uhr, brachten sie mich endlich in den Kreißsaal. Aber als ich den sah, wäre ich am liebsten wieder in das kleine Untersuchungszimmer zurück. Der Kreißsaal sah aus wie ein OP. Grüne Fliesen an den Wänden, überall standen Tische mit riesigen, glänzenden Instrumenten rum, alle im Kreißsaal trugen grüne OP-Kleidung, und an der Mitte hing eine riesige OP-Leuchte. Aber das Schlimmste war der Gebärstuhl… Er sah so gefährlich aus! Die Beinstützen ragten hoch in die Luft, und mir grauste bei dem Gedanken, da meien Beine hineinlegen zu müssen. Oben waren Riemen für die Arme, unten waren Riemen für die Beine. Ich wollte protestieren, aber schon hob mich jemand auf den Stuhl und legte mich auf den Rücken. „Beine breit!“ kommandierte ein Pfleger und schon riss er mir die Beine auseinander und legte sie in die Stützen. Als er sie mit Riemen befestigt hatte, schaute der Arzt ihn kritisch an und sagte: „Noch breiter! Beine weiter auseinander!“ Die Fußstützen wurden verstellt und ich wurde so weit gedehnt, dass es weh tat. Dann stellten sich diese verrückten Kreißsaal-Kommandanten rund um den Stuhl auf und riefen “Pressen!! Los!! Mit aller Kraft!!!” Kraft? Sehr komisch, Kraft hatte ich überhaupt keine mehr. Trotzdem mobilisierte ich alles und preßte wie blöd. Es tat so höllisch weh! Ich schrie und bäumte mich auf. Aber schon sprangen die Kreißsaal-Kommandaten herbei. Zwei pressten meine Schultern auf den Stuhl, ein dritter band mir die Arme fest. „Still liegen und pressen!“ meinte er dabei.
„Es tut so weh!“ jammerte ich.
„Das tut es im Kreißsaal immer! Jammern nützt dir da auch nichts. Also sei still und press es raus!“
Wo war meine Mutter? Ich rief nach ihr. Endlich kam sie angelaufen. Sie hatte sich auch vorher OP-Kleidung anziehen und waschen müssen. „Hilf mir…“ flehte ich sie an, doch der Arzt fuhr dazwischen.
„Sorgen Sie dafür, dass Ihre Tochter ruhig liegt und gefälligst vernünftig presst! Sie veranstaltet hier ein Theater, so können wir sie nicht entbinden!“
„Lieg still, Susanne, und tu, was der Arzt sagt“, sagte meine Mutter zu mir.
„Aber es tut so weh…“
„So ist das nun mal im Kreißsaal! Du hättest ja im Bett nicht die Beine breit machen müssen… Du hast dir das Kind machen lassen, also musst du es jetzt auch rauspressen! So, wie es reingekommen ist…“
„Schmerzmittel…“
„Ich habe damals fast zwei Stunden gepresst, bis sie dich endlich aus mir rausgezogen haben, also stell du dich jetzt nicht so an! Gebären ohne Schmerzen geht nicht.“
Die nächste Wehe war schon da, und wieder presste ich. Ich schrie Zeter und Mordio, aber es half mir nichts. Die Pfleger griffen zu und drückten mich mit aller Kraft auf den Geburtsstuhl, sobald der Arzt das Kommando zum Pressen gab. Ich drückte und drückte, und ich dachte, ich zerreiße.
Endlich war die Wehe vorbei. Ich jappste und merkte, dass mir die Tränen über das Gesicht liefen.
„Auf dem Gebärstuhl heulen sie alle“, meinte einer der Pfleger anzüglich. „Beim nächsten Mal nimmst du bestimmt ein Kondom, oder?“ Alle lachten laut.
„Ich will einen Kaiserschnitt!“ bettelte ich.
Alle lachten noch lauter. „Auch du wirst es rauspressen müssen“, sagte der Arzt. „Für einen Kaiserschnitt besteht keine Veranlassung.“
„Wird es denn noch lange dauern?“ fragte meine Mutter.
„Schnell wird es nicht gehen. Sie ist noch sehr jung, und es ist ihre erste Geburt, die dauern meist lange und sind kompliziert.“
„Wie lange noch?!?“ rief ich dazwischen.
„Ein, zwei Stunden mindestens.“
„Das halte ich nicht aus…. AAAUUU!“ Die nächste Wehe kam.
„PRESSEN!“ brüllte der Arzt und drückte meine Schenkel weiter auseinander.
„AAAAAAAAHHHHHH!“ brüllte ich und versuchte wieder, mich aufzubäumen. Aber die Riemen und die Pfleger hielten mich fest. Ich versuchte, mit den Beinen zu strampeln, woraufhin mich die Hebamme anschrie: „Jetzt machen Sie nicht so ein Theater und lassen sich gefälligst entbinden! Beine breit und PRESSEN!“
Stundenlang schien es so zu gehen. Ich heulte Rotz und Wasser, aber niemand nahm darauf Rücksicht. Im Gegenteil, alle schimpften, ich solle besser mitarbeiten und mich nicht so anstellen. „Und je weniger du mitarbeitest, umso länger liegst du hier im Kreißsaal!“ erklärte der Arzt immer wieder.
„Ich will einen Kaiserschnitt!!“
„Du presst so lange, bis es draußen ist!“
„Das schaff ich nicht!“
„Bitte lieber nicht um meine Hilfe… Das wird noch viel mehr weh tun!“
Ich dachte an diese „Saugglocken“ und „Zangen“, die dieser junge Mann im Korridor erwähnt hatte, und fragte mich, was das wohl sein mochte. Sollten sie doch irgendwas tun, damit es endlich vorbei war. Damit es schnell vorbei war – irgendetwas tun, aber nicht mehr dieses unerträgliche Pressen!
Zwischen den Wehen war kaum eine Pause. Kaum war der Schmerz abgeebbt, begann er wieder von neuem. Ich schrie, ich brüllte, ich heulte, aber immer lauter wurden die Kommandos: „PRESSEN! PRESSEN! PRESSEN!“
Immer wieder fummelte der Arzt an meiner Pussy herum. Er drückte, zog und zerrte und war äußerst grob. Als ich mich beschwerte, meinte er nur: „Geburtshilfe MUSS weh tun, sonst ist sie keine gute Geburtshilfe. Wir können eine Gebärende nicht verzärteln, sonst ist es keine gute Geburtshilfe.“
„Zwei Stunden presst sie jetzt schon“, sagte die Hebamme nach einer Weile. Mir kamen es wie drei Tage vor.
„Vielleicht ist das Kind doch größer als gedacht“, antwortete der Arzt. „Holen Sie einen Kollegen dazu.“
Mittlerweile waren bestimmt 10 Leute im Raum. Der Arzt zwischen meinen Beinen, die Hebamme neben ihm, eine weitere Hebamme, die neben meinem Bauch stand. Die Kreißsaal-Kommandaten mit ihren starken Armen, die mich immer wieder festhielten und mich zwangen, still zu liegen. Und Schwestern, die dem Arzt Instrumente anreichten und im Hintergrund mit Instrumenten klapperten. Jetzt betrat ein zweiter Arzt den Kreißsaal. Er war groß, dick und sehr kräftig. Schon als ich ihn sah hatte ich Angst vor ihm.
„Dann wollen wir mal sehen. Die hier kriegt das Kind nicht raus?“
„Genau.“ Der Arzt machte Platz für seinen Kollegen, der ohne ein Wort in meine Richtung zwischen meine Schenkel trat. Er ließ sich von einer Schwester frische Gummihandschuhe geben, und schon rammte er seine Hand in meine Möse. Ich schrie vor Schmerz auf. Er reagierte daraufhin nur mit einem bösen Blick. „Der Kopf ist noch recht hoch“ sagte er, als er seine Hand aus mir rauszog. „Und sie presst seit zwei Stunden? Dann sollten wir vorsichtig nachhelfen. Schwester, geben Sie mir schon mal die langen Handschuhe, falls ich sie gleich brauche.“ Dann schaute er den „meinen“ Arzt an und meinte: „Kristellern.“ „Mein“ Arzt stellte sich daraufhin neben meinen Bauch.
Die nächste Wehe begann. „PRESSEN JETZT!“ brüllte mich der dicke Arzt an, und dann wurde es endgültig zu einem Alptraum.
Der erste Arzt warf sich auf meinen Bauch und drückte mit dem Ellbogen von oben auf das Kind. Ich musste kotzen. Ich schrie. Ich versuchte, mich zu wehren, wurde aber wieder festgehalten. Er drückte mit aller Kraft. Ich spürte, wie irgendetwas in mir nach unten rutschte und sich wie ein Rammbock seinen Weg bahnte. Ich schrie und schrie und schrie.
„Schreien Sie nicht so! Pressen Sie lieber!“ wurde ich angebrüllt.
„AAAAAAAAAUUUUUU! OOOOOOOOHHHH!!!!! NEIIIINNN! AUFHÖREN!“ brüllte ich zurück.
Endlich war die Wehe vorbei. Ich zitterte vor Schmerzen. Dieser Rammbock in mir war so groß. Und den sollte ich „da unten“ rauspressen?
Meine Mutter schien meine Gedanken zu erraten. „Es tut weh, wenn der Kopf gleich rauskommt. Also schrei nicht so laut.“
„Ich will aber nicht!“
„Sei still und mach, was die Ärzte sagen! Du hast es dir machen lassen, also musst du die Tortur auf dem Gebärstuhl jetzt ertragen!“
Ich wollte gerade antworten, als die nächste Wehe mich überrollte.
„In Position!“ brüllte der dicke Arzt zwischen meinen Beinen. „Und PRESSEN! FESTE! Weiter! Nicht aufhören! PRESSEN!!!“ Mit seinen Fingern fummelte er in mir herum. „Dammschnitt“, sagte er, und plötzlich hielt eine Schwester eine blitzende Schere hoch.
„NEIN!“ brüllte ich, ohne zu wissen, wofür die Schere gut war.
Aber schon war sie in den Händen des Arztes, und ich sah, wie er sie in Richtung meiner Möse bewegte.
„NEIN!!!“ brüllte ich noch einmal, aber dann spürte ich schon das scharfe Metall. „AAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHH!!!“ brüllte ich, als der Arzt schnitt.
„PRESSEN!!!“
Ich presste. Und presste. Und brüllte. „ICH REISSE!!!“ Es fühlte sich tatsächlich an, als ob ich zerreiße. „Ich krieg’s…. AAAAAAHHHH! …. nicht raus! Es…. OOOOOOOOHHHHHH! ist zu ………. AAAAAAAUUUUUUU! … groß!“
„PRESSEN!“ Plötzlich griff er mit seinen Händen zu. Er zog und dehnte, und ich schrie lauter und lauter. Zwei Schwestern springen herbei und reißen mir die Beine noch weiter auseinander. „Press!“ schreit auch meine Mutter. „Reiß dich zusammen und PRESS!!!“
Plötzlich ein so unvorstellbarer Schmerz, dass ich trotz der Riemen beinahe vom Stuhl gesprungen wäre. Ich fühle mich wie vergewaltigt, als die Kreißsaal-Kommandanten mich mit aller Kraft festhalten.
„Der Kopf ist da!“ verkündet der Arzt. „Das Schlimmste ist geschafft! Noch einmal pressen, los!“
Ich spüre, wie etwas Großes in meiner Möse steckt, mich dehnt und weitet. „Zieht es raus!!!“ brülle ich.
„PRESSEN!“ brüllen sie zurück. Der Arzt zieht. „FESTER PRESSEN!“ brüllt er.
„Gleich vorbei“, sagt meine Mutter. „War doch gar nicht so schlimm…“
„Der Kleine wiegt bestimmt 4 Kilo, wahrscheinlich sogar mehr“, sagt die Hebamme.
Plötzlich dann bricht Panik aus. Es steckt fest, die Schultern stecken fest, die Nabelschnur ist abgeklemmt, das Kind kriegt keine Luft und kommt nicht raus. „Wir müssen es sofort rausholen!“ ruft der Arzt. „Keine Rücksicht auf ihre Schmerzen!“
Schon greift er zu und rammt seine riesigen Hände in mich. Die Hebamme springt herbei und zieht am Kopf, während die Schwestern meine Beine noch weiter auseinander reißen. Der andere Arzt drückt jetzt mit beiden Unterarmen auf meinen Bauch. Plötzlich sehe ich wieder eine Schere blitzen, die Hebamme schneidet noch einmal zu. Der dicke Arzt schiebt seine Hände tiefer in mich hinein. Ich spüre seine Finger tasten und in mir wühlen, er ist noch grober als vorher. Es fühlt sich an, als ob meine Eingeweide in mir umgedreht werden. Er gibt den Schwestern ein Kommando, und beide greifen jetzt meine Oberschenkel, fast an den Hüften, und ziehen mit aller Kraft. „Becken weiten“, erklärt der Arzt, bevor er tief in mir wieder kräftig zulangt.
Es fühlt sich an, als ob mein Becken bricht oder auseinander gerissen wird. Ich brülle. Aber sie nehmen keine Rücksicht. „Wir müssen es jetzt rausholen!“ brüllt der Arzt noch einmal. Er wühlt und zieht, die Hebamme zieht am Kopf, dass ihr der Schweiß läuft, der andere Arzt drückt von oben mit aller Kraft, und ich brülle und brülle. Plötzlich bewegt sich etwas und ich fühle, wie der Arzt seine Hände und irgendetwas anderes aus mir herauszieht und wie ich dabei noch mehr reiße. Endlich ist es geschafft. Heulend liege ich da und zwischen meinen Beinen fühlt es sich tatsächlich an, als wäre ich grob vergewaltigt worden.
Meine Mutter steht neben dem Krankenhauspersonal. Niemand beachtet mich, redet mit mir. Ich zittere, vor Angst und Entsetzen und auch vor Erschöpfung.
„Geschafft“, bringe ich irgendwie hervor.
„Noch nicht ganz“, sagt der Arzt. „Sie müssen noch die Plazenta rauspressen. Aber wenn Sie Glück haben, kommt sie ohne Probleme.“
Wieder brachten sie mich dazu, zu pressen, und es brannte, als ich merkte, wie etwas aus mir herausflutschte.
„Dann wäre das auch geschafft“, sagte der Arzt. „Jetzt müssen wir nur noch nähen…“
—
Wer hat Lust, hierzu eine Fortsetzung zu schreiben? Nur ein Jahr später wird Susanne wieder schwanger. Ihre Mutter ist wütend und nimmt sich vor, dafür zu sorgen, dass die nächste Geburt noch schmerzhafter wird als die Erste. Diesmal hat Susanne schon vorher panische Angst vorm Kreißsaal. Sie weiß ja jetzt, wie schlimm die Schmerzen auf dem Gebärstuhl werden…
Leider hat sie Pech: Diesmal ist ihr Kind noch größer. „So einfach wie die erste Entbindung wird diese hier nicht“, sagt der Arzt bei der Ultraschalluntersuchung…
Das Personal im Krankenhaus erinnert sich an Susanne. „Das war doch die, die so ein Theater gemacht hat, oder? Diesmal werden wir ihr aber zeigen, wie es in so einem Kreißsaal zugehen kann!“ Oh ja, dieser Susanne, die bei der ersten Entbindung kein freundliches Wort für das Personal übrig hatte, werden sie es zeigen…
Wie wird die zweite Entbindung wohl verlaufen? Vielleicht ist Susanne schon in den allerersten Wehen vor lauter Angst so verkrampft, dass die Geburt nur sehr schleppend verläuft. Vielleicht liegt das Kind falsch. Oder es will einfach nicht herauskommen – und Susanne wird endlich die große, schlimme Geburtszange kennenlernen….